Kia ProCeed 2020 Seitenlinie
Alltags-Check, Fahrbericht, Kia

Kia ProCeed – Ist der Lifestyle-Profi auch ein Alltags-Profi?

Der Kia ProCeed möchte den sportlichen Style mit der Praktikabilität eines Kombis kombinieren. Ob ihm das gelingt, wie sich der 140 PS starke Benziner des Shooting Brakes in der Praxis schlägt und was der stylische Koreaner sonst noch auf dem Kasten hat, zeigt dieser Alltags-Test.

Kia ProCeed, das stylische Lifestyle-Modell

Die Zeiten in denen die Autos von Kia eher unter der Kategorie „grau und günstig“ aufgeführt wunde sind lange vorbei. Vor allem bei den Mittelklasse-Modellen, der Ceed-Baureihe, zeigt sich Kia stark und bietet gleich mehrere unterschiedliche Varianten an. Neben den praktischen Hatchback und Kombi – Ceed und Ceed Kombi – glänzen die beiden Lifestyle-Modelle XCeed und ProCeed um die Gunst der Käufer. Einen Kurztest zum Crossover-Modell Kia XCeed findet ihr hier:

Kia XCeed 1.4 – Kompakter Crossover mit 140 PS im Test

Nun habe ich mich dem Kia ProCeed 1.4 T-GDI – dem Shooting-Brake-Modell mit 140 PS – ausführlich gewidmet und im Alltag auf Herz und Niere testen dürfen.

Scharfer Auftritt: Die sportliche GT-Line

Praktischer Kombi? Nein! So wollen wir hier nicht anfangen. Nicht beim Kia ProCeed! Das aufwendig designte Exterieur ist weit weg von einem biederen Familien-Kombi. Die sportlich gezeichnete Karosserie des Shooting Brake streckt sich auf 4,61 Meter Länge. Das Auto wirkt flach und läuft im Heck flach ab. Insgesamt ein spannendes Design! Hinzu kommen Anbauteile, wie die Front- und Heckstoßstange sowie die konturierten Seitenschweller, die den dynamischen Auftritt des Kia ProCeed unterstreichen.

Der Kia ProCeed ist eine elegante Designmischung aus Mercedes CLA und Porsche Panamera mit Tigernasengrill. Eine markante Verbesserung zum Vorgängermodell ist meiner Meinung nach, das digitale Cockpit und das überarbeitete Infotainment mit großzügigem 10,25 Zoll Display.

Der neue ProCeed beweist, dass Kia schon bald der Premiumhersteller für preisbewusste Fahrer werden könnte.

Ilona Farsky, AUTOmativ.de

Innenraum mit top Verarbeitung

Der Innenraum mit den Leder-/Alcantara-Polstern rundet den sportlichen Auftritt des Exterieurs ab. Das Interieur des Kia ProCeed glänzt mit ansprechender Optik und einer sehr guten Verarbeitungsqualität. Keine verwirrende Tastenflut oder übertriebene Klavierlack-Flächen – die Balance zwischen ansprechender Optik und Praktikabilität ist hier gelungen umgesetzt worden. Wer sich das erste Mal in einen Kia setzt, braucht nicht lange um sich an die Funktionen zu gewöhnen. Die Bedienelemente aber vor allem die Menüführung auf der digitalen Seite sind logisch und lassen sich intuitiv ohne große Ablenkung steuern.

Sitze

Fahrer und Beifahrer nehmen auf Sportsitzen Platz. Der Komfort ist in Ordnung und die schön kontureierten Sitze bieten einen ordentlichen Seitenhalt. Auf kurvigen Strecken sitzt man also fest im Sattel. Ein paar Einstellmöglichkeiten mehr wären dennoch schön gewesen. Die Polsterung ist straff aber keinesfalls zu hart, so dass es auf langen Strecken bequem bleibt. Dafür sorgen auch die üppig dimensionierten Oberschenkel-Auflagen.

Digitaler Tacho

Geschwindigkeit, Motordrehzahl oder das Tempolimit aus der Verkehrsschilderkennung werden im Kia ProCeed komplett digital angezeigt. Das Digital Cockpit ist Bestandteil des Technologie-Paket. Es ist ansprechend gestaltet und sehr gut ablesbar. Zusatzinformationen vom Navi, Bordcomputer oder Radio kann man sich individuell zentral auf dem hochauflösenden Display anzeigen lassen. Die Einstellungen hierfür werden ganz bequem über die Bedientasten am Multifunktionslenkrad vorgenommen.

So geht Infotainment!

Was das Infotainment angeht, zeigt sich der Kia ProCeed auf der Höhe der Zeit. Schon optisch macht das mit 10 Zoll sehr große Display einen tollen Eindruck. Durch seine schmalen Räder und der hohen Auflösung wirkt es sehr modern. Das schlanke Multimedia-Display befindet sich zentral auf dem Armaturenbrett und ist leicht zum Fahrer gedreht, was die Bedienung und Ablesbarkeit erleichtert. Auch das übersichtlich strukturierte Menü im Kachel-Design ist sehr gelungen. Eine solch gute Umsetzung würde man eher bei der teuren Premium-Konkurrenz erwarten.

Kia ProCeed 2020 Armaturenbrett

Funktionales Navigationssystem

In vielen aktuellen Fahrzeugen sind die Navigationssysteme eher schwach umgesetzt. Das gilt für die grafische Umsetzung aber auch für die Navigations-Performance selbst. Ein Grund, weshalb ich hierfür lieber mein Smartphone nutze. Doch im Kia ProCeed ist das integrierte Navi wirklich brauchbar. Der Bedien-Komfort mit schneller Reaktionszeit und Rechenpower, sowie der dynamischen Verkehrsführung funktionieren einwandfrei. Zudem gibt es nach Kauf des Fahrzeugs noch sieben Jahre aktuelles Kartenmaterial und Updates.

Einfache Smartphone-Integration

Wer ein Smartphone mit kontaktloser Ladefunktion besitzt, kann dieses im Kia Pro-Ceed in ein spezielles Ablagefach platzieren. Es gibt aber auch gewöhnliche USB-Anschlüsse um sein Smartphone aufzuladen oder erweiterte Konnektivitäts-Funktionen wie Apple CarPlay oder Android Auto zu nutzen. Denn diese Funktionen bietet das Infotainmenet-System des Kia ebenfalls. Wer sich beispielsweise die Navigation über Google Maps bevorzugt oder andere Apps über das Fahrzeug eigene Infotainment-System nutzen möchte, kann dies problemlos tun.

„Simpy Clever“ Kofferraum by Kia

Der ProCeed läuft bei Kia unter der Bezeichnung Shooting Brake. Doch dieser, nennen wir ihn mal „Lifestyle-Kombi“ besitzt dennoch viele praktische Eigenschaften und gut durchdachte Funktionen eines klassischen Kombis. Zum einen wäre da das Kofferraum-Volumen, welches mit mindestens 594 Litern angegeben wird. Durch das umlegen der dreiteiligen Rücksitzbank (40:20:40) vergrößert sich der Kofferraum auf bis zu 1.545 Liter. Diese lässt sich von der geöffneten Heckklappe aus fern entriegeln.

Neben dem üppigen und gut zu beladenden Gepäckraum hat Kia auch an praktische Details gedacht. Gerade bei einer großen ebenen Ladefläche ist das Schienen-System nützlich. Nervig, wenn während der Fahrt der Einkaufskorb oder Koffer von der einen zur anderen Seite rutschen. Nicht so im Kia ProCeed! Mit den flexibel ausziehbaren Stangen sich der Laderaum aufteilen und Gepäckstücke leicht fixieren. In dem praktischen Modul sind zudem zwei Befestigungs-Gurte integriert.

Neben dem Schienen-System findet sich im Gepäckraum noch ein ausziehbares Rollo für die Laderaumabdeckung und ein Sicherungsnetz. Wird das Zubehör nicht benötigt, kann es in speziell dafür vorgesehen Halterungen untergebracht werden, so dass Ordnung herrscht. Zudem verbergen sich mehrere praktische Staufächer im Kofferraum-Boden.

Antrieb

Kia bietet für den ProCeed drei Benziner mit 120, 140 und 205 PS und einen Diesel mit 136 PS an. Außer für die kleinsten Benziner sind alle Motorisierungen auch mit einem 7-Gang Doppelkupplungs-Getriebe verfügbar. Das hier getestete Modell hat einen Benziner Turbomotor mit 140 PS und dem 6-Gang-Schaltgetriebe.  

Fahreindruck

Im Alltag zeigt sich der Antrieb ist eher von der zahmen und vernünftigen Seite. Der Vierzylinder ist aber keine Spaßbremse und bietet genügend Ausdauer im Alltag. Zum einen liegt dies an dem bereits früh anliegendem Drehmoment. Die bis zu 242 Newtonmeter liegen im Bereich zwischen 1.500 und 3.200 Umdrehungen an. Auch reicht es um auf der Autobahn mit ordentlich Tempo voran zu gehen. Das ausgewogene Fahrwerk mit dem langen Radstand zeigt sich durchaus auch komfortabel. Der Kia liegt satt auf der Straße, so dass auch längere Strecken entspannt absolviert werden können. Das gilt auch für zügige Fahrten auf der Landstraße. Die gut abgestimmte und direkt arbeitende Lenkung und das knackig zu schaltendem Getriebe machen Spaß und passen gut zum Auto.

Kraftstoffverbrauch in der Praxis

Für den Kia ProCeed 1.4 T-GDI mit dem manuellen Getriebe wird ein kombinierter Kraftstoffverbrauch von 5,9 Litern auf 100 Kilometern angegeben. Während des Alltagstest absolvierte ich mit dem Kia ProCeed rund 1.500 Kilometer. Dabei erreichte ich einen Durchschnitts-Verbrauch von 6,8 Litern auf 100 Kilometern. Mein Fahrprofil war dabei sehr ausgewogen und setzte sich aus schnell bis normal gefahrenen Autobahn-Etappen sowie einem hohen Anteil an Stadtverkehr und Landstraßen zusammen.

Der 1.4 T-GDI ist mir persönlich nicht zu langsam und deshalb eine super Alternative zum GT mit 204 PS. Außerdem bekommt man, wenn man darauf Wert legt, mit der GT-Line ein komfortableres Fahrwerk. Das macht aber auch in Kurven eine richtig gute Figur und ist ebenfalls noch eher sportlich ausgelegt. Die 2.000 Euro Aufpreis für die 7-Gang Automatik würde ich auf jeden Fall investieren!

Matthias Luft, Motoreport

Eingeschränkte Sicht nach hinten

Der schöne Glanz des coolen Shooting-Brake-Designs bringt jedoch auch ein kleines Defizit in Sachen Übersicht mit sich. Das fließende und flach auslaufende Heck des Kia ProCeed schränkt die Sicht nach hinten deutlich ein. Was beim Parken und Rangieren dank gut auflösender Rückfahrkamera kaum ins Gewicht fällt, kann der Blick nach hinten in den Rückspiegel nicht ganz ausgleichen. Der Sichtbereich durch die kleine Fensterfläche ist deutlich reduziert. Der rückwärtige Verkehr ist nur eingeschränkt zu erkennen. Wer sich für den Kia ProCeed, sollte vor dem Kauf diesen Punkt bei einer Probefahrt ins Auge fassen.

Preise und Ausstattung

Der Grundpreis für den Kia ProCeed mit der 120 PS starken Basismotorisierung startet bei 26.990 Euro. Für den hier getesteten 1.4 T-GDI mit 140 PS sind 1.000 Euro mehr fällig. Im Gegensatz zum „normalen“ Kia Ceed oder Kia Ceed Sportswagon, gibt es den ProCeed nur in zwei Ausstattungslinien – zum einen die GT Line und den GT. Wie die Namen es schon vermuten lassen, bringen beide sportliche Grundzüge mit. Die kleineren Motorisierungen sind an die GT Line gebunden, den GT gibt es nur in der stärksten Motor-Variante mit 204 PS. Äußerlich unterscheiden sich die beiden nur geringfügig.

Serien- und Sonderausstattung

Wer sich für den Kia ProCeed entscheidet, bekommt ausstattungsseitig schon in der Grundkonfiguration ein ordentliches Paket geschnürt. Immer mit dabei sind LED-Scheinwerfer, 17 Zoll Leichtmetall-Räder, Infotainment-System mit Navigation, welches über einen 8 Zoll großem Touchscreen bedient werden kann.

Bei den Farben kann man aus insgesamt zehn Außen-Lackierungen wählen. Aufpreisfrei ist „Carreraweiß“. Für das „Infrarot Metallic“, in dem hier getesteten Fahrzeug, werden 590 Euro fällig. Durch die reichhaltige Serien-Ausstattung ist die Auswahl an optionalen Extras sehr überschaubar, welche in vier Ausstattungspaketen zusammengefasst sind. Die Ausstattungs-Linien sind an die Motorisierung geknüpft. Die schwächeren Versionen gibt es in der Ausstattungslinie „GT Line“. Die Version „GT“ ist ausschließlich der Top-Version mit 204 PS vorbehalten. 

Fazit – Pro Ceed, Contra Ceed

Dieser Kia kommt gut an! Für den Kia ProCeed ist es ein leichtes andere mit seinem gelungenen Design um den Finger zu wickeln. Und das hat er auch bei mir geschafft. Die einzigartige und stimmige Optik gefiel mir ausgesprochen gut. Vor allem das auslaufende Fließheck sieht klasse aus – auch wenn die Sicht nach hinten nicht optimal ist. Dieses kleine Eingeständnis an gutes Aussehen nehme ich gerne in Kauf. Auch könnte der Verbrauch etwas niedriger sein. Dafür glänzt wahre Ingenieursleistung im top verarbeiteten Innenraum. Mit der durchdachte und intuitive Bedienlogik freundet man sich innerhalb kurzer Zeit an. Hinzu kommen die die vielen und gut durchdachten Lösungen, die den ProCeed zum praktischen Begleiter machen. Obendrauf noch die 7 Jahre Garantie, die Kia auch für dieses Modell gewährt. Was kann man da noch falsch machen?

Video: Kia ProCeed bei Motoreport

Matthias vom YouTube-Kanal Motoreport hat sich ebenfalls hinter das Lenkrad des Kia ProCeed gesetzt. Hier sein Fahreindruck mit dem Koreanischen Shooting Brake in der Version mit dem Doppelkupplungsgetriebe:

Für dich vielleicht ebenfalls interessant...