Xpeng schickt X9 und P7+ mit 800-Volt-Technik, hohen Reichweiten und Ladeleistungen jenseits der 500 kW auf große Langstrecke. Das chinesische Tech-Unternehmen setzt dabei auf eine Kombination aus schneller Ladetechnik, viel Komfort und Preisen, die im jeweiligen Segment für Aufsehen sorgen. Ich durfte bei den letzten beiden Etappen der E-XPerience dabei sein.
E-XPerience
Nach dem Nordkap-Trip mit dem Xpeng G6 und Xpeng G9 im letzten Jahr ist Xpeng in diesem Jahr in die andere Richtung unterwegs. Neun Etappen führen von Köln bis an die Südspitze Portugals und wieder zurück bis nach München. Unterwegs sind diesmal der Elektro-Van X9 und die neue Fastback-Limousine P7+. Zusammen mit dem Nordkap-Trip aus dem letzten Jahr kommt die „E-XPerience“-Reihe damit insgesamt auf über 10.000 Kilometer.
Ich durfte auf dem Rückweg die beiden letzten Etappen fahren. Zunächst ging es von Montpellier nach Genf mit dem X9, einen Tag später von Genf nach München mit dem P7+.

Der Xpeng X9 ist groß, wirklich groß
Wer zum ersten Mal hinter dem Lenkrad des X9 sitzt, merkt es sofort. Das ist kein kompakter Alltagsbegleiter. Über 5,30 Meter Länge und knapp zwei Meter Breite sind eine Ansage, und genau so hat es sich für mich auch angefühlt. Man spürt die Dimensionen des Autos deutlich. Vorne im Cockpit war mir die Übersicht ehrlich gesagt streckenweise etwas zu eingeschränkt.

Zwei technische Lösungen gleichen das aber aus. Das Kamerasystem ist hochauflösend, die Perspektiven lassen sich frei wählen. Gerade beim Rangieren in engen Parkhäusern ist das eine echte Hilfe. Richtig überrascht hat mich dagegen die serienmäßige Hinterachslenkung. Sie drückt den Wendekreis auf 10,8 Meter und damit unter das Niveau eines VW Golf. Was auf dem Papier nach einem sperrigen Van klingt, lässt sich dadurch überraschend handlich bewegen, selbst in engeren Kurven oder beim Einparken.

Keine Reichweitensorgen auf der Langstrecke
Die Etappe von Montpellier nach Genf war mit knapp 500 Kilometern eine gute Gelegenheit, den X9 nicht nur in der Stadt, sondern auf einer echten Langstrecke zu erleben, und so ging es durchs Rhonetal bis in die Alpen. Vorsichtshalber legten wir unterwegs einen kurzen Ladestopp ein. Nötig gewesen wäre er nicht. Bis zum Ziel bei Genf hätte die Reichweite auch so gereicht.

Laden in Rekordzeit dank 800 Volt
Dank der 800-Volt-Architektur fiel dieser Ladestopp dann auch entsprechend kurz aus. Der X9 lädt mit bis zu 542 kW Gleichstrom. Von 10 auf 80 Prozent soll das laut Xpeng rund zwölf Minuten dauern, vorausgesetzt man findet eine Säule, die diese Leistung überhaupt liefern kann. Mittlerweile sind 400-kW-Säulen aber gut verteilt. Ein nahezu vollständiger Ladehub ist damit in etwas mehr als einer Viertelstunde erledigt, eher die Ausnahme als die Regel in diesem Fahrzeugsegment.

Während der Ladepause, und generell beim Parken in der Sonne, zeigt sich noch ein cleveres Detail. Die Standklimatisierung kühlt den Innenraum auch bei ausgeschaltetem Auto weiter, sodass er auch nach längerem Stehen in der Sonne angenehm temperiert bleibt. Wer kurz an die Ladesäule oder in den Supermarkt muss, kann Hund oder Kind für einen Moment bedenkenlos im Auto lassen, ohne dass es dort zu heiß wird.


Verbrauch
In der Stadt bewegte sich der Verbrauch bei unter 14 kWh/100 km, auf Landstraße und Autobahn bei etwa 16 bis 17 kWh/100 km, und damit spürbar unter dem offiziellen WLTP-Wert von 20,0 bis 20,8 kWh/100 km, den Xpeng für den X9 angibt. In Frankreich gilt auf Autobahnen ein Tempolimit von 130 km/h, was diese Werte natürlich begünstigt. Trotzdem ist das für ein rund 2,7 Tonnen schweres Fahrzeug dieser Größe ein starkes Ergebnis.
Die Long-Range-Version des X9 fährt mit einer 110-kWh-Batterie bis zu 615 Kilometer WLTP-Reichweite. Auf unserer Etappe war das ohnehin kein Thema. Nicht die Ladezeit war die Herausforderung, sondern die Frage, wie angenehm sich ein so großes Auto über viele Stunden fahren lässt.

Business-Class statt Rücksitzbank
Die eigentliche Stärke des X9 liegt im Komfort. Die Sitze der zweiten Reihe erinnern eher an Business-Class-Sessel als an klassische Rücksitze, inklusive Massage, Sitzheizung und -belüftung, was bei den hohen Temperaturen auf unserer Route sehr willkommen war. Selbst die dritte Reihe ist keine reine Notlösung, sondern ordentlich gepolstert und bequem.


Dazu kommen Details, die auf den ersten Blick unnötig wirken, nach ein paar Stunden Fahrt aber ihren Sinn ergeben. Ein Kühlschrank in der Mittelkonsole hält Getränke unterwegs kühl, ein riesiger Klappbildschirm im Fond sorgt für Entertainment. Der X9 will nicht in erster Linie schnell von A nach B bringen, sondern er will die Fahrt selbst angenehm machen.

Federung und Geräuschdämmung passen zu diesem Anspruch. Der X9 filtert Unebenheiten souverän heraus und bleibt auch auf kurvigen Passstraßen gut kontrollierbar. Die Hinterachslenkung lässt schnell vergessen, dass man sich in einem so großen Fahrzeug befindet. Auf Landstraßen bringt sie zusammen mit dem drehmomentstarken Antrieb mehr Agilität, in der Stadt hohe Wendigkeit, die der große Van auch wirklich braucht. Einen großen Anteil am Komfort hat außerdem das angenehm niedrige Geräuschniveau.

Preis und Garantie
Der X9 startet in Deutschland bei 77.600 Euro für die Standard-Range-Version mit Frontantrieb. Die Long-Range-Variante ist ab 81.600 Euro zu haben, das AWD-Performance-Topmodell ab 86.600 Euro. Damit positioniert sich Xpeng deutlich unterhalb der etablierten Konkurrenz im Luxus-Van-Segment, die meist erst bei über 80.000 Euro beginnt. Dabei liefert der X9 eine Vollausstattung, die bei deutschen Premiumherstellern oft erst über teure Pakete erreicht wird. Dazu gibt es sieben Jahre bzw. 160.000 Kilometer Fahrzeuggarantie sowie acht Jahre bzw. 160.000 Kilometer auf die Hochvoltbatterie.

Zweite Etappe: mit dem P7+ durch die Alpen nach München
Einen Tag später ging es für mich weiter, diesmal mit dem P7+ von Genf zurück nach München, der letzten Etappe der gesamten Tour. Der P7+ ist als Fastback-Limousine ein ganz anderes Auto als der X9. Er ist agiler, tiefer und spürbar stärker aufs Fahren ausgelegt.

Der Verbrauch lag deutlich unter den Werksangaben, und das, obwohl wir auf dem deutschen Endstück der letzten Etappe wirklich zügig unterwegs waren. Xpeng gibt für den P7+ einen WLTP-Verbrauch von 15,2 bis 17,4 kWh/100 km an. Andere Journalisten, die auf derselben Tour die Etappe Montpellier–Genf mit dem P7+ gefahren sind, berichteten von einem ähnlich niedrigen Durchschnittsverbrauch um 17,5 kWh/100 km. Das spricht dafür, dass sich das Auto auch auf unserer Alpenetappe in einem vergleichbaren, effizienten Bereich bewegt haben dürfte. Je nach Variante steht dem P7+ eine Batterie zwischen 61,7 und 84 kWh zur Verfügung, mit einer Reichweite von bis zu 530 Kilometern.

Auffällig war für mich vor allem, wie ausgewogen sich das Fahrwerk auch auf den kurvigen Passstraßen zeigt. Es bleibt sauber unter Kontrolle, wirkt dabei nicht hart und ist komfortabel genug für lange Etappen. Auf der Autobahn haben wir dann die meisten Kilometer der Etappe abgespult, und auch das liegt dem P7+ wirklich gut. Ein echter Gran Turismo für die Langstrecke, der sich damit gut als Kontrastprogramm zum großen, lounge-artigen X9 einfügt.

Auch preislich bleibt der P7+ auf Kurs. Je nach Antriebsvariante liegt er zwischen rund 46.600 und 53.600 Euro, ebenfalls mit sieben Jahren Fahrzeuggarantie. Das ist ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das im Umfeld etablierter Elektro-Limousinen deutscher und europäischer Hersteller derzeit kaum zu schlagen ist.

Fazit
Zwei sehr unterschiedliche Autos, zwei sehr unterschiedliche Charaktere, und doch ein gemeinsamer roter Faden. Beide sind konsequent auf entspanntes, effizientes Reisen ausgelegt und zeigen, wie ausgereift 800-Volt-Technik mittlerweile ist. Der X9 ist dabei das deutlich extremere Statement. Er ist riesig, auf den ersten Blick unhandlich, aber dank Kamerasystem und Hinterachslenkung im Alltag überraschend gut beherrschbar. Sein Komfortniveau erinnert eher an eine Lounge auf Rädern als an einen klassischen Van. Der P7+ zeigt auf der anderen Seite, dass Effizienz und Langstreckenkomfort auch in einer klassischeren Limousinen-Form funktionieren.

Nach knapp 1.000 Kilometern durch Frankreich, über die Alpen und zurück nach Deutschland bleibt vor allem eines hängen. Reichweite, Ladetempo und Komfort sind bei Xpeng längst kein Kompromiss mehr. Und das zu Preisen, die im jeweiligen Segment ungewohnt niedrig ausfallen.

Fotos: Mario Roman Lambrecht

