Sportliches Elektro-SUV Mittelklasse: Alpine A390 GT - Fastback mit 400 PS und über 500 km Reichweite im Test. Foto: Philipp Moy
Alpine, Fahrbericht

Alpine A390 GT im Test: Kann ein Elektro-SUV wirklich wie eine Alpine fahren?

Alpine steht für leichte, kompromisslose Sportwagen. Jetzt kommt ein über zwei Tonnen schweres Elektro-SUV mit drei Motoren und Allradantrieb. Kann das noch eine echte Alpine sein? Die A390 GT will genau das beweisen – und stellt die Fahrdynamik von Beginn an unmissverständlich in den Mittelpunkt.

Alpine A390 GT auf einen Blick

  • Vollelektrisches Fastback-Crossover, Mittelklasse
  • Allradantrieb mit 3 Elektromotoren, 295 kW (400 PS)
  • Reichweite bis zu 551 km (WLTP)
  • Preis ab 67.500 Euro
Elektro-Fastback mit 400 PS und über 500 km Reichweite. Performance-Modell "Mittelklasse-SUV" mit Allrad im Test.

Kein typisches Elektro-SUV – und das ist gut so

Die Alpine A390 GT ist schwer in eine Schublade zu stecken. Ja, es gibt eine erhöhte Sitzposition und ausreichend Platz für den Alltag. Aber wer hier ein braves Familien-SUV erwartet, ist klar falsch abgebogen. Alpine bietet die A390 ausschließlich als Sportmodell an: als A390 GT mit 400 PS – oder als noch schärfere A390 GTS mit 470 PS. Es gibt keine zahme Basisversion. Kein Zufall.

Fahrbericht zum Alpine A390 GT - Erfahrungen und Kaufberatung zum vollelektrischen Performance-Modell mit 400 PS.

Gegenüber dem Škoda Enyaq RS oder dem Kia EV6 GT ist die A390 GT kein aufgehübschtes Sportpaket, sondern ein eigenständiges Fahrzeug mit klarer Ausrichtung. Wer das versteht, wird nicht enttäuscht.

Alpine-Logo auf der Ladeklappe. Lackierung "Bleu Alpine Vision", Code: RRR

Design: Alpine-DNA im großen Format

Beim ersten Blick fällt auf: Das Fahrzeug wirkt nicht klobig. Für ein Fahrzeug seiner Größe ist das keine Selbstverständlichkeit. Alpine überträgt die Designsprache der A110 konsequent ins Große – die fließende Dachlinie, die dynamischen Proportionen, das ikonische „Bleu Alpine Vision“ in Farbcode RE 331, das seit 1960 zur Marke gehört. Das Ergebnis ist ein Fastback, das sich deutlich von klassischen SUV-Proportionen absetzt.

Alpine-Vergleich: A390 und A110

Die serienmäßigen 20-Zoll-Räder können gegen 21-Zoll-Felgen „Snowflake“ mit Diamantschliff getauscht werden (+1.800 Euro). Dazu eine sichtbar dimensionierte Bremsanlage und eine moderne Lichtsignatur – der Anspruch ist auch von außen ablesbar.

21 Zoll Felgen "Snowflake" mit Diamantschliff (+1.800 Euro) Foto: Philipp Moy

Maße und Gewichte

Maße und GewichteAlpine A390 GT
Abmessungen
Länge4,62 m
Breite, mit/ohne Außenspiegel2,06 m/1,89 m
Höhe1,53 m
Wendekreis11,0 m
Gepäckraum hinten532–1.643 l
Gepäckraum vorne (Frunk) 
Gewichte
Leergewicht2.124 kg
Zuladung481 kg
zul. Gesamtgewicht2605 kg
Anhängelast, gebremst/ungebremst1.350 kg/750 kg
Stützlastn. b.
Dachlast75 kg

Innenraum

  • Leder-Alcantara Polster
  • 2-Zonen-Klimaautomatik
  • Lenkradheizung
Innenraum: Alpine-Sportlenkrad mit 12-Uhr-Markierung

Einsteigen, Tür schließen – und sofort merkt man: Hier wurde nicht nur ein Schriftzug auf den Armaturenträger geklebt. Das Cockpit ist fahrerorientiert, der Dachhimmel dunkel ausgekleidet, die Oberflächen hochwertig. Statt klassischem Schwarz gibt es dunkelblauem Leder, kombiniert mit Carbon- oder Forged-Carbon-Dekorelementen und Alu-Zierleisten. Wer möchte, bekommt den Dachhimmel auch in Alcantara. So geht Sportwagen!

Das Sportlenkrad mit blauer 12-Uhr-Markierung ist nicht nur ein Hingucker – es ist auch funktional durchdacht. Fahrmodi, Rekuperation und der Overtake-Boost lassen sich direkt anwählen, ohne Umwege über Menüs. Gut gemacht.

Cockpit und Infotainment

  • Fahrerorientiertes Cockpit
  • Android Automotive Betriebssystem mit Google-Diensten
  • Android Auto und Apple CarPlay kabellos
  • Induktive Smartphone-Ladestation
Klima-Menü auf dem Touchscreen wird von physischen Tasten ergänzt. Serienmäßig gibt es eine 2-Zonen-Klimaautomatik, Sitzheizung und Lenkradheizung.

Das volldigitale Kombiinstrument (12,3 Zoll) lässt sich individuell konfigurieren und ändert sein Erscheinungsbild je nach Fahrmodus. Daneben: ein 12-Zoll-Touchscreen, hochkant verbaut, leicht zum Fahrer geneigt, auf Android Automotive basierend – inklusive Google-Dienste, Apple CarPlay und Android Auto kabellos.

Roter Overtake-Button: Vollgas-Funktion am Lenkrad

Was besonders positiv auffällt: Alpine verzichtet nicht vollständig auf physische Bedienelemente. Die Klimasteuerung lässt sich direkt bedienen. Alles andere wäre maximal nervig. Hinter dem Lenkrad findet sich der aus dem Renault-Konzern bekannte Bediensatellit. Anfangs ungewohnt aber nach kurzer Eingewöhnung intuitiv.

POV: Fahrerperspektive beim Alpine A390 GT mit 12 Zoll Digitaltacho (4 Anzeigen-Modi)

Sitze und Platzangebot

  • Elektrische Sitzverstellung
  • Sitzheizung
  • 2x Isofix mit Top-Tether auf der Rücksitzbank
Fahrersitz mit Leder-Polster und Alcantara in Blau

Die Sportsitze in Leder-Alcantara bieten ausreichend Langstreckenkomfort, ohne zu weich zu wirken. Optional gibt es Sabelt-Sportsitze mit mehr Seitenhalt und Massagefunktion.

Rücksitzbank (Leder/Alcantara, dunkelblau)

Im Fond ist auch für Erwachsene genug Platz, dazu USB-C-Anschlüsse und eigene Lüftungsdüsen. Isofix mit Top-Tether ist ebenfalls an Bord. Die Alpine A390 GT ist also auch für Familien keine schlechte Wahl – zumindest für kleine.

Isofix-Haltepunkte auf der Rücksitzbank hinter Kunststoff-Klappen

Kofferraum

  • Kofferraumvolumen: 532 bis 1.643 Liter
  • Elektrische Heckklappe
  • Rücksitzbank mit Teilungsverhältnis 60:40
  • kein Frunk

532 Liter Basisvolumen, bis zu 1.643 Liter bei umgeklappter Rücksitzbank (60:40). Trotz Fastback-Heck keine nennenswerten Einschränkungen. Einziger Wermutstropfen: Weil vorne ein Elektromotor sitzt, gibt es keinen Frunk. Gerade für das Ladekabel wäre der praktisch gewesen.

Kofferraumvolumen 532 Liter, elektrische Heckklappe. Teilungsverhältnis Rücksitzbank 60:40. Maximales Kofferraumvolumen 1.643 Liter.

Technische Daten

Technische DatenAlpine A390 GTAlpine A390 GTS
AntriebsartAllradantrieb (AWD)Allradantrieb (AWD)
MotorisierungElektroantrieb (BEV)Elektroantrieb (BEV)
Motor
vorne (1x)Synchronmotor
mit gewickeltem Rotor (EESM)

98,3 kW
239 Nm
Synchronmotor
mit gewickeltem Rotor (EESM)

115 kW
300 Nm
hinten (2x)Permanentmagnet-Synchronmotor (PSM)

98,3 kW
211 Nm
Permanentmagnet-Synchronmotor (PSM)

115 kW
262 Nm
Leistung (Systemleistung)295 kW (400 PS)345 kW (470 PS)
Drehmoment (Systemleistung)661 Nm824 Nm
Batterie
SpeichertechnikLithium-Ionen – NMCLithium-Ionen – NMC
Batteriekapazität, netto 89 kWh89 kWh
Fahrleistungen
Beschleunigung, 0–100 km/h4,8 s3,9 s
Höchstgeschwindigkeit200 km/h220 km/h
Verbrauch, kombiniert (WLTP)

20″ Räder

21″ Räder


18,7 kWh/100 km 

20,4 kWh/100 km


18,7 kWh/100 km

20,4 kWh/100 km
Reichweite, kombiniert (WLTP)

20″ Räder

21″ Räder


551 km 

497 km 


551 km 

497 km
3 Elektromotoren 295 kW/400 PS): 1x Front EESM, 2x Heck PSM

Fahreindruck

  • Torque-Vectoring
  • Einstellbare Rekuperation und One-Pedal-Drive

Beschleunigen und die linke Spur unsicher machen – das kann mittlerweile fast jedes Auto. Aber die Alpine A390 GT hat mehr auf dem Kasten. Viel mehr.

Fazit zum Alpine A390 GT von Daniel Przygoda. Foto: Philipp Moy

Auf kurvigen Landstraßen zeigt das Fahrzeug, wofür es wirklich entwickelt wurde. Trotz über zwei Tonnen Leergewicht wirkt es erstaunlich agil – das Einlenkverhalten ist präzise, die Lenkung direkt, die Rückmeldung überzeugend. Komplett kaschieren kann die A390 das Gewicht nicht. Aber sie kaschiert es besser, als man es erwarten würde.

Verantwortlich dafür ist das Torque Vectoring: Zwei Elektromotoren an der Hinterachse verteilen die Kraft in Millisekunden. Das Fahrzeug zieht sich förmlich kontrolliert und sauber durch die Kurve. Gleichzeitig bleibt das Fahrwerk auch auf schlechteren Straßen ruhig und komfortabel. Eine gelungene Balance, die in dieser Fahrzeugklasse nicht selbstverständlich ist.

Der Sprint auf 100 km/h in 4,8 Sekunden ist passend ist nicht übertrieben, aber jederzeit abrufbar. Wer kurz auf den Overtake-Button drückt, bekommt den vollen Schub mit Klanguntermalung und Animation im Kombiinstrument. Eine nette Spielerei. Aber eine, die Spaß macht.

Elektro-Fastback Mittelklasse: Sportmodell Alpine A390 GT im Test

Ladezeiten Alpine A390 GT

LadetypLade-LeistungLade-Zeit (h:mm)
Wechselstrom (AC)
Wallbox, Ladesäule
Typ2-Stecker, Icon
22 kW
(3-phasig)
2:40
0–100 %
Gleichstrom (DC)
Schnellladestation
CCS-Stecker, Icon
150 kW0:29
15–80 %
DC-Ladeleistung 150 kW (15–80 % in 29 Minuten).. Ladeanschluss Kotflügel rechts/Beifahrerseite

Preise und Ausstattung

Die Alpine A390 GT startet bei 67.500 Euro, die GTS-Variante bei mindestens 78.000 Euro. Die Basisfarbe ist Weiß, Sonderlackierungen kosten 1.600 Euro Aufpreis, das schwarz lackierte Dach 1.500 Euro extra.

Was ist serienmäßig dabei?

Alpine packt von Anfang an eine Menge rein. Unter anderem sind mit dabei: Adaptive Matrix-LED-Scheinwerfer, 360-Grad-Kamera, 2-Zonen-Klimaautomatik mit Luftreinigung, Wärmepumpe, Devialet-Soundsystem mit 13 Lautsprechern, Google-Betriebssystem mit 5 Jahren Connected Services, Torque Vectoring, Sportfahrwerk und bidirektionales Laden (V2L) mit 11-kW-Onboard-Lader.

Wichtige Extras

  • Sonderfarben – z. B. Bleu Alpine Vision (+1.600 Euro)
  • Schwarzes Dach (+1.500 Euro)
  • 21-Zoll-Felgen „Snowflake“ geschmiedet (+1.800 Euro)
  • Sabelt-Sportsitze mit Massagefunktion (+2.500 Euro)
  • 22-kW-Onboard-Lader (+1.200 Euro)
  • Carbon-Dekor (+600 Euro)
  • Alcantara-Dachhimmel (+750 Euro)

Garantie

Die Garantie auf das Fahrzeug beträgt 3 Jahre bis 100.000 Kilometer, bei der Antriebsbatterie sind es 8 Jahre bis 160.000 km.

Schwarz lackiertes Dach und französische Flagge auf der C-Säule

Stärken und Schwächen

Vorteile

  • Eigenständiges, charaktervolles Design
  • Außergewöhnliche Fahrdynamik für die Fahrzeugklasse
  • Umfangreiche Serienausstattung
  • Durchdachtes Bedienkonzept mit physischen Elementen
  • Starkes Google-Betriebssystem mit integrierter Laderoutenplanung
  • One-Pedal-Drive mit einstellbarer Rekuperation

Nachteile

  • Hoher Einstiegspreis
  • Kein Frunk
  • DC-Ladeleistung nicht mehr Benchmark im Segment
Erfahrungen zum Alpine A390 GT von Daniel Przygoda, Foto: Philipp Moy

Fazit: Eine echte Alpine – nur anders

Heritage ist im Automobilbau immer eine Gratwanderung. Alpine hat mit der A110 Attribute definiert, die sich nur schwer in die elektrische Gegenwart übersetzen lassen: leicht, kompakt, puristisch. Die A390 GT geht einen anderen Weg – und geht ihn konsequent.

Das Ergebnis ist kein typisches Elektro-SUV. Es ist ein Fahrerauto, das zufällig auch Platz für Alltag und Familie bietet. Wer auf kurvigen Strecken nach einem echten Erlebnis sucht und bereit ist, den Preis dafür zu zahlen und für individuelle Extras draufzulegen, bekommt hier ein Fahrzeug mit echtem Charakter. Keine Stangenware. Kein RS-Badge auf einem Familienauto, sondern eine echte Alpine, die sich das auch verdient hat.

Alpine A390 GT im Test: Fahrbericht von Daniel Przygoda, Foto: Philipp Moy

Fotos: Philipp Moy; Daniel Przygoda

Daniel Przygoda

Daniel Przygoda aus Dortmund ist im Automobilbereich als Projektingenieur und Journalist tätig. Sein beruflicher Background aus den Bereichen Forschung und Entwicklung bei verschiedenen OEMs sowie Dienstleistern mit fundiertem Fachwissen bringt er mit seiner Leidenschaft für Autos zusammen.

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