Seat Leon 1.5 TGI XCELLENCE
Alltags-Check, Fahrbericht, Seat

Geheimtipp Erdgas: So macht sich der Seat Leon TGI im Alltag

Sparfüchse aufgepasst! Mit dem Erdgasantrieb soll man günstig unterwegs sein. Nur 20 Euro für einen vollen Tank, der für 400 Kilometer reicht und sich fährt wie ein normaler Benziner? Kann man mit dem Seat Leon TGI richtig „Gas“ geben? Ich habe es ausprobiert und auch geschaut, wo der Haken an der Sache ist.

Warum überhaupt Gas?

Das Thema Mobilität steckt gerade in einem großen Umschwung. Benzin- und Dieselantriebe gehören für und Autofahrer zum Alltag. Wir haben uns daran gewöhnt, es ist überall verfügbar und das betanken ist für uns unkompliziert. Neben der aktuellen Diesel-Thematik gibt es vor allem eines, was viele von uns Grund zum Aufregen gibt: die Spritpreise. Sind wir alle schon bereit für Elektromobilität? Ladeinfrastruktur, Reichweite und hohe Preise überzeugen noch nicht jeden. Doch der Erdgasantrieb soll Komfort, Alltagstauglichkeit und sogar Kostenersparnis bieten.

CNG, TGI – Was ist das überhaupt?

Seat bietet neben dem Leon und Leon Sportstourer noch die Modelle Ibiza und Arona mit TGI-Antrieb an. Die Abkürzung der Motorenbezeichnung TGI steht für Turbo Gas Injection – also Turbo Gas Einspritzung. Diese Fahrzeuge sind Bi-Valent angetrieben und können neben CNG (Compressed Natural Gas), auch bekannt als Erdgas, auch mit normalem Benzin betankt werden.

Seat Leon 1.5 TGI XCELLENCE

Beim Leon handelt es sich um das Kompaktmodell von Seat. Die spanische Volkswagen-Tochter ist für sportliche und junge Modelle bekannt. Zwar wurde bereits das Nachfolgemodell angekündigt, jedoch wirkt die dritte Modellgeneration, die schon seit 2012 gebaut wird, immer noch frisch. Die technische Basis ist dieselbe wie beim Golf VII. Neben der hier getesteten Erdgas-Variante gibt es den Leon auch mit Benzin- Dieselantrieb – ebenfalls aus dem VW-Konzern. Bei den Karosserien hat man die Wahl zwischen dem fünftürigen Kompaktmodell und den Kombi – den Seat Leon ST.

Innenraum

Das Interieur des Seat Leon ist durchweg solide verarbeitet. Die Bedienelemente, Anzeigen aber auch Menüführung sind klar strukturiert. Überraschungen sind hier nicht zu erwarten. Reinsetzen und losfahren – das klappt hier ohne weiteres. Das Cockpit ist ganz klar fahrerorientiert. Schalter und das Display vom Infotainmentsystem sind leicht in Richtung Fahrer zugewandt. Das Ablesen von Infos und die Bedienung vom Fahrersitz sind so sehr angenehm. Auch gibt es gut erreichbare und nutzbare Ablageflächen. Die Gegenstände des Alltags wie Smartphone, Geldbörse, Trinkflasche & Co. finden alle ihren sicheren Platz.  

Infotainment

Ähnlich wie bei einem Smartphone ist das Menü des Infotainmentsystems strukturiert. Verschiedene Kacheln leiten zu Funktionen für Fahrzeug, Navigation, oder Radio. Durch die großen Kacheln findet man schnell die gewünschte Funktion und ist nicht großartig abgelenkt. In Sachen Konnektivität bietet das Infotainmentsystem im Seat Leon die Möglichkeit sein Smartphone über Apple CarPlay oder Android Auto zu verbinden und Funktionen wie Musik-Streaming oder Google-Navigation so über das fahrzeugeigene Infotainmentsystem und Bedienelemente zu steuern und wiedergeben zu können. Auch hier klappt alles unkompliziert und schnell.

Erdgas-Tankstellensuche über das Navigationsystem

Gerade durch Möglichkeiten die Funktionen aus dem Smartphone im Auto zu integrieren, lasse ich oft das fahrzeugeigene Navigationssystem außer Acht. Beim Leon TGI jedoch, hat das verbaute Navi eine höhere Priorität, denn es bietet einen direkten Zugriff auf die Erdgas-Tankstellensuche. Auch wenn das Tankstellennetz für Erdgas gut ausgebaut ist, spart man sich lästiges Suchen und wird zielgerichtet zum tanken geführt. Ohne viel Ablenkung, erhält man über das Display Vorschläge zu passenden Tankstellen entlang der Route.

Kofferraum und Variabilität

Durch die sich unter dem Fahrzeug befindenden Kraftstofftanks verfügt die Erdgas-Version des Seat Leon einen fast gleich großen Kofferraum, wie mit Benzin- oder Diesel-Antrieb. Unterm Strich bietet der Gepäckraum mit 375 Litern (380 Liter bei Benziner und Diesel) immer noch genügend Platz. Über die asymmetrisch umklappbare Rücksitzbank lässt sich dieser bei Bedarf auf bis zu 1.210 Liter erweitern. Etwas mehr Platz und Variabilität bietet da der Seat Leon ST – also die Kombi-Variante. Dort passen dann 482 bis 1.470 Liter in die Erdgas- bzw. 587 bis 1.470 Liter in die Benziner-/Diesel-Variante.

5 Fragen zum Erdgasantrieb

1. Ist Erdgas umweltfreundlich?

CNG ist auch als regenerativer Energieträger erhältlich und kann beispielsweise biologischen und organischen Abfällen (Bio-Methan) gewonnen werden. Im Vergleich zu Erdöl ist die Bearbeitung weniger Aufwändig. Auch bei den Emissionen punktet Erdgas, das es im Vergleich zu Benzin- oder Dieselbetriebenen Motoren deutlich sauberer verbrennt, da es nur wenige Anteile von Stickstoff und Kohlendioxid enthält.

2. Ist ein Erdgasfahrzeug sicher?

Bei den passiven- und aktiven Sicherheitssystemen ist die TGI-Variante des Seat Leon genau so sicher wie mit den anderen Motorisierungen. Die Erdgastanks selbst befinden sich geschützt unter dem Fahrzeug und bestehen aus einem robusten Stahl-/Carbonfaser-Gemisch. Die verbauten Sicherheitsventile können das Gas kontrolliert entweichen lassen.

3. Ist ein Erdgasfahrzeug wartungsintensiver?

Der TGI-Motor im Seat Leon basiert auf einem normalen Benzinmotor. Die verbauten Bauteile und Komponenten unterschieden sich nicht unwesentlich von einem normalen Benziner. Dadurch, dass der Motor auf beide Kraftstoffarten ausgelegt ist, ist der Wartungsaufwand und die damit verbundenen Kosten nicht höher. Einzig die Gasanlagenprüfung (GAP) muss zusätzlich mit jeder Hauptuntersuchung durchgeführt werden. Die Kosten halten sich dafür mit etwa 25 Euro im Rahmen.

4. Gibt es Einschränkungen im Vergleich zum Leon mit konventionellem Antrieb?

Der Seat Leon TGI ist ein bivalent angetriebenes Fahrzeug. Neben einem Verbrennungsmotor befindet sich auch noch TGI-Technik im Fahrzeug. Die Kraftstofftanks nehmen dabei einen großen Teil in Anspruch. Die Zylindertanks sind unterhalb des Kofferraums platziert, wo beim normalen Leon das Ersatzrad untergebracht ist. Das Kofferraumvolumen ist nur leicht reduziert. Sollte der Gas-Tank leer sein, schaltet der Motor automatisch auf Benzinantrieb um. Auch braucht man sich keine Sorgen machen, was das Befahren von Tiefgaragen angeht. Laut der „Garagenverordnung“ ist dies möglich.

5. Fährt sich ein Erdgasauto anders?

Man merkt wirklich keinen Unterschied. Würde man nicht wissen, dass der Seat Leon Gastanks verbaut hat, könnte man ihn für einen normalen Benziner halten. Laut den technischen Daten gibt es nur marginale Unterschiede. Starten, beschleunigen, fahren – es deutet nichts auf den einen anderen Antrieb hin. Auch der Motorsound ist gleich.

Preise

Wer die Erdgas-Version des Seat Leon fahren möchte, muss mindestens 23.990 Euro. Der Aufpreis zur gleich starken Benziner-Version beträgt lediglich 1.390 Euro. Für viele dürften sich diese Mehrkosten bereits schnell amortisieren.

Erdgasantrieb rechnet sich schnell

Bevor man sich endgültig beim Kauf eines Fahrzeugs für oder gegen eine Motorisierung entscheidet, hilft am besten ein direkter Kostenvergleich. Um einen schnellen Überblick zu bekommen, habe ich einen Vergleichsrechner auf der Internetseite erdgas.info genutzt. Als Datenbasis dienten die jeweiligen Basispreise des Seat Leon 1.5 TSI und 1.5 TGI) mit den kombinierten Kraftstoffverbräuchen nach WLTP und den tagesaktuellen Kraftstoffpreisen. Bei der Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern würde sich demnach der Erdgasantrieb schon nach etwa drei Jahren amortisieren.

Kraftstoffrechner auf www.erdgas.info

Praxiserfahrung: Endlich keine schlechte Laune beim tanken

Für einen Alltagstest durfte ich den Seat Leon TGI zwei Wochen ausprobieren. Eine gute Zeit, um nicht nur das Fahrzeug, sondern vielmehr den Erdgasantrieb kennenzulernen. Bisher hatte ich nämlich noch nie das Vergnügen ein solches Fahrzeug auszuprobieren. Neben täglichen Fahrten im Stadtverkehr zur Arbeit habe ich auch den Leon im Langstreckenbetrieb getestet – von München nach Dortmund und wieder zurück. In eine Richtung knapp 600 Kilometer. Insgesamt bin ich mit dem Leon 2.000 Kilometer gefahren. Dabei sind knapp 108 Euro Kosten für Erdgas entstanden. Hätte ich dieselbe Distanz mit einem Benziner zurückgelegt, würden die Kraftstoffkosten bei etwa 175 Euro liegen. (Angenommener Praxisverbrauch von etwa 6,2 Litern und einem Literpreis von 1,41 Euro Benzin).

Für wen wäre Erdgas eine Alternative?

Durch den geringen Aufpreis amortisiert sich das Erdgas-Modell bereits nach kurzer Zeit – auch für Fahrer mit einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung. Wer vielleicht überlegt hat, seinen Benziner oder Diesel gegen ein E-Auto ersetzen wollte aber bislang die niedrige Reichweite, lange Ladezeiten und hohe Kosten abgeschreckt hat, für den könnte Erdgas eine gute Alternative sein. Mit dem Erdgasantrieb muss man nicht auf Gewohnheiten verzichten, die man mit seinem konventionellen Antrieb hatte. Wo man beim Elektroantrieb vorausschauend seine Strecken planen muss, behält man mit dem Erdgasantrieb seien gewohnte Flexibilität. zudem baut die Erdgasversion auf gewohnte Technik. Als Basis dient ein ganz normaler Benziner.

Mein Erdgas-Fazit

Mit dem Erdgasantrieb ist der Leon ein absolut unaufregendes Auto – im positiven Sinne. Obwohl der Antrieb so ungewöhnlich erscheint, verlangt es so gut wie keine Umstellung vom Fahrer. Fahrtechnisch fährt sich der Leon TGI kein bisschen anders als ein Benziner. Auf Komfort oder Leistung braucht man nicht zu verzichten. Durch den bivalenten Antrieb mit dem Benzinantrieb hat man jederzeit ein Sicherheits-Backup und somit zusätzliche Reichweite. Der niedrige Aufpreis rechnet sich schon nach kurzer Zeit – auch für Fahrer mit einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung. Was spricht also gegen Erdgas? Diese Frage hat mich echt zum Grübeln gebracht. Es gab wirklich nichts bei der Nutzung auszusetzen: Ein gewöhnliches Auto ohne Haken.

Seat Leon TGI auf Ausfahrt.tv

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