Xpeng-Standort der Bleker Gruppe in Münster mit Elektroautos Xpeng G6 und Xpeng G9
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Xpeng: „Die deutscheste Marke unter den chinesischen Herstellern werden“

Xpeng will in Europa nicht einfach nur ein weiterer Elektroautohersteller aus China sein. Beim Roundtable-Gespräch in Köln erklärte das Unternehmen seine Strategie für Deutschland. Im Mittelpunkt stehen viel Technologie, ein schnell wachsendes Händlernetz und bewusst stabile Preise statt Rabattschlachten.

Technologie als Kern der Marke

Xpeng wurde 2014 gegründet und beschäftigt heute rund 20.000 Mitarbeiter weltweit. Auffällig ist die Struktur des Unternehmens: Rund 40 Prozent der Belegschaft arbeiten in Forschung und Entwicklung, etwa die Hälfte davon im Softwarebereich. „Das Niveau an Technologie in den Produkten wird ein Gamechanger sein“, erklärte Markus Schrick, Geschäftsführer von Xpeng in Zentraleuropa, beim Roundtable-Gespräch. Der Hersteller versteht sich deshalb nicht nur als Autobauer, sondern als Technologieunternehmen.

Roundtable-Gespräch mit Markus Schrick, Geschäftsführer Zentraleuropa, in Köln

Parallel zu den Fahrzeugen arbeitet Xpeng auch an weiteren Zukunftsprojekten. Dazu zählen autonomes Fahren und Robotaxis, humanoide Roboter sowie fliegende Fahrzeuge. Letztere werden bereits in Regionen getestet, in denen die gesetzlichen Rahmenbedingungen dies erlauben, beispielsweise in Katar.

Beim autonomen Fahren plant das Unternehmen einen wichtigen Schritt: Level-4-Autonomie – also vollautomatisiertes Fahren – soll in China ab Dezember 2026 in Serienfahrzeugen verfügbar sein. In Deutschland sei man davon allerdings noch ein gutes Stück entfernt, so Schrick. Hier habe sich bislang nicht einmal Level-3-Autonomie, also hochautomatisiertes Fahren, im Markt etabliert.

Autonomes Fahren Level 4

Über eine Million ausgelieferte Fahrzeuge

Finanziert wurde das Wachstum unter anderem durch Investoren wie Alibaba, einem der größten Technologie- und Internetkonzerne Chinas, sowie durch den Börsengang des Unternehmens. Mittlerweile hat Xpeng mehr als eine Million Fahrzeuge ausgeliefert und gehört damit zu den größeren Herstellern von reinen Elektroautos aus China.

Ein weiterer Baustein ist die Kooperation mit Volkswagen. Der deutsche Hersteller hat rund fünf Prozent der Anteile an Xpeng erworben. Die Zusammenarbeit konzentriert sich allerdings auf Projekte für den chinesischen Markt. Zwei gemeinsam entwickelte Modelle wurden dort bereits eingeführt.

Produktion des Xpeng X9 in einem Werk des chinesischen Elektroautoherstellers

Schnelle Expansion außerhalb Chinas

Auch international wächst Xpeng mit hohem Tempo. Während das Unternehmen 2023 erst in fünf Märkten außerhalb Chinas vertreten war, waren es 2024 bereits rund 30. Für 2025 plant Xpeng eine Präsenz in etwa 60 Märkten weltweit. Europa spielt dabei eine wichtige Rolle. Mittlerweile ist die Marke in vielen europäischen Ländern vertreten und baut ihre Marktpräsenz weiter aus.

Technik als wichtigstes Verkaufsargument

Aktuelle Fahrzeuge von Xpeng Deutschland überzeugen mit starken technischen Eckdaten:

  • 800-Volt-Architektur
  • Ladeleistungen bis zu 525 kW
  • Reichweiten bis 585 km
  • Over-the-Air-Updates
  • 7 Jahre Garantie

Zudem verfolgt das Unternehmen eine klare Produktstrategie: Fahrzeuge werden meist voll ausgestattet angeboten, um Variantenvielfalt zu reduzieren und Lieferfähigkeit zu erhöhen.

Die aktuellen Modelle in Deutschland

Der Absatz in Deutschland konzentriert sich derzeit vor allem auf:

Die Limousine P7 spielt aktuell eine kleinere Rolle, da ein Nachfolger vorbereitet wird. Geplant sind außerdem:

  • Xpeng P7+, Limousine mit stärkerer KI-Integration
  • Xpeng X9, großer Van
  • Kompaktes SUV unterhalb des G6

Beim G9 wird es Varianten mit sechs oder sieben Sitzen geben. Bis Ende 2026 könnte Xpeng Deutschland insgesamt sieben Modelle anbieten. Offen ist noch, ob auch ein Range-Extender-Antrieb nach Europa kommen wird, wie es Xpeng bereits in China anbietet.

Xpeng X9 - Elektro-Van kommt 2026 nach Deutschland

Xpeng-Produktion auch in Europa

Für den europäischen Markt lässt Xpeng seine Volumenmodelle Fahrzeuge auch bei Magna Steyr in Österreich produzieren. Dort werden unter anderem Modelle wie G6, G9 und künftig auch der P7+ gebaut. Magna produziert seit vielen Jahren Fahrzeuge für unterschiedliche Hersteller, darunter BMW, Toyota und Mercedes-Benz. Auch die Mercedes-G-Klasse läuft dort vom Band. Neben der industriellen Erfahrung spielt auch die europäische Zollpolitik eine Rolle, weshalb die Wahl auf den Auftragsfertiger fiel.

Xpeng-Produktion bei Magna Steyr in Graz, Österreich

Händlernetz von Xpeng Deutschland wächst schnell

In Deutschland setzt Xpeng auf ein klassisches Vertragshändler-System. Viele Partner sind Mehrmarkenhändler. „Dadurch kommen auch Kunden mit der Marke in Kontakt, die zuvor noch nie von Xpeng gehört haben“, sagt Markus Schrick.

Das Händlernetz von Xpeng Deutschland wächst entsprechend schnell. 2024 gab es rund 20 Standorte, 2025 sollen es etwa 50 sein. Für 2026 nennt das Unternehmen ein Ziel von rund 110 Standorten. Parallel dazu rechnet Xpeng mit steigenden Verkaufszahlen. Für 2026 plant der Hersteller mit mehr als 8.000 Fahrzeugen, 2027 sollen es bereits über 15.000 Einheiten sein.

Preislich verfolgt Xpeng eine klare Linie. Aggressive Rabatte will das Unternehmen vermeiden, um stabile Restwerte zu sichern. Neben der aktuellen staatlichen Förderung bietet der Hersteller jedoch eine Wechselprämie von 3.000 Euro an.

Ein Blick in den Handel

Wie sich das Interesse an der Marke entwickelt, zeigt auch ein Besuch bei einem Xpeng-Standort in Dortmund. Das Autohaus gehört zur Bleker Gruppe, einer Händlergruppe aus dem Münsterland mit Hauptsitz in Borken. Vor Ort habe ich mich mit dem Verkaufsberater Harun Keskin über die Erfahrungen mit der Marke unterhalten. Viele Interessenten kommen laut Keskin bereits sehr gut vorbereitet ins Autohaus und haben sich intensiv mit den Fahrzeugen beschäftigt. Häufig handelt es sich um Fahrer von Tesla oder Volkswagen, aber auch Umsteiger aus dem Premiumsegment, etwa von Mercedes-Benz. Auffällig sei zudem, dass Fahrzeuge im Showroom meist nicht lange stehen.

Showroom der Bleker Gruppe in Dortmund mit dem neuen Xpeng G9 Back Edition.

Erste Bestellungen für den neuen P7+

Selbst Modelle, die noch gar nicht im Autohaus stehen, stoßen bereits auf Nachfrage. Laut Händler gibt es in Dortmund erste Bestellungen für den kommenden Xpeng P7+, obwohl das Fahrzeug dort noch nicht ausgestellt ist. Das zeigt, dass viele Interessenten der Marke bereits Vertrauen entgegenbringen.

Positive Erfahrungen beim Service

Auch beim Thema Ersatzteile zeigt sich die Logistik von Xpeng Deutschland bereits gut organisiert. Verkäufer Harun Keskin berichtet von einem Fall einer Unfallinstandsetzung, bei dem Teile aus dem europäischen Zentrallager in den Niederlanden benötigt wurden. Die Lieferung erfolgte schnell, sodass die Reparatur ohne größere Verzögerung durchgeführt werden konnte.

Xpeng selbst gibt für die Bereitstellung von Standard-Ersatzteilen eine maximale Lieferzeit von 72 Stunden an und erreicht dabei eine Erfüllungsquote von rund 85 Prozent – ein Wert, den selbst viele etablierte europäische Hersteller oft nicht erreichen.

Werkstattbereich eines Xpeng-Partners für Wartung und Reparatur von Elektroautos

Ein aktueller Kritikpunkt: die Versicherungseinstufung

Ein Thema, das derzeit noch für Diskussionen sorgt, sind vergleichsweise hohe Versicherungseinstufungen. Dieses Problem betrifft nicht nur Xpeng, sondern viele neue Hersteller aus China. Markus Schrick bestätigte im Gespräch, dass man sich dieser Herausforderung bewusst ist. Xpeng stehe bereits im Austausch mit Versicherungen, um langfristig bessere Einstufungen zu erreichen. Ein Grund für die aktuellen Tarife: Versicherer benötigen umfangreiche Daten und Crashanalysen, um Schadensbilder und Reparaturkosten zuverlässig bewerten zu können.

Platz 1 bei Kundenzufriedenheit

Ein positives Signal kommt aus der Marktforschung. In einer Studie des Stuttgarter Unternehmens Uscale erreicht Xpeng eine Weiterempfehlungsrate von 81 Prozent und liegt damit vor Marken wie Porsche oder Polestar. Xpeng sieht das als wichtigen Indikator und möchte langfristig zu den fünf Marken mit der höchsten Kundenzufriedenheit gehören.

„Die deutscheste Marke unter den chinesischen Herstellern“

Markus Schrick (Geschäftsführer Xpeng Zentraleuropa): „Die deutscheste Marke unter den chinesischen Herstellern“

Beim Roundtable wurde deutlich, dass Xpeng sich bewusst von anderen chinesischen Herstellern abgrenzen möchte. Das Ziel formulierte Markus Schrick klar: Xpeng wolle „die deutscheste Marke unter den chinesischen Herstellern“ werden. Gemeint sind damit Werte, mit denen deutsche Hersteller lange erfolgreich waren: technologische Kompetenz, Zuverlässigkeit, Vertrauen und langfristige Produktqualität. Gleichzeitig betont Xpeng, dass man sich nicht als klassische Premium-Marke positionieren möchte. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Hightech, solide Produkte und ein zurückhaltendes Markenbild.

Daniel Przygoda

Daniel Przygoda aus Dortmund ist im Automobilbereich als Projektingenieur und Journalist tätig. Sein beruflicher Background aus den Bereichen Forschung und Entwicklung bei verschiedenen OEMs sowie Dienstleistern mit fundiertem Fachwissen bringt er mit seiner Leidenschaft für Autos zusammen.

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