537 PS starker Plug-in-Hybrid, Premium-Features wie Massagesitze – und das alles für 52.900 Euro. Der Omoda 9 klingt auf dem Papier wie ein Mittelklasse-Killer aus dem Reich der Mitte, der alles bietet, was europäische Premium-SUV für deutlich mehr Geld verkaufen. Doch kann ein chinesisches Fahrzeug dieser Preisklasse den hohen Ansprüchen des deutschen Marktes wirklich gerecht werden – oder steckt hinter der opulenten Ausstattungsliste mehr Schein als Sein?
Omoda 9 PHEV
- SUV obere Mittelklasse
- Plug-in-Hybrid, 395 kW (537 PS)
- 145 km elektrische Reichweite
- Preis ab 52.900 Euro
Der Omoda 9 positioniert sich im D-Segment der mittelgroßen SUV und trifft damit auf etablierte Konkurrenten aus Europa und Asien. Der VW Tiguan eHybrid startet zwar bereits ab rund 52.000 Euro – bietet aber weniger Platz, deutlich und deutlich weniger Leistung. Der Kia Sorento PHEV ist der wohl direkteste Wettbewerber: ähnliche Fahrzeuggröße, Allradantrieb, Plug-in-Hybrid – kostet aber ab 60.640 Euro und kommt dabei nur auf 57 km elektrische Reichweite. Wer ebenfalls aus China schaut: Auch der Wey 05 PHEV spielt in einer ähnlichen Liga.

Omoda & Jaecoo – Die beiden Europamarken vom chinesischen Autohersteller Chery
Der Omoda 9 PHEV ist das Flaggschiff der Marke Omoda & Jaecoo, einer eigenständigen Submarke des chinesischen Automobilkonzerns Chery Automobile. In Deutschland ist Omoda & Jaecoo seit kurzer Zeit aktiv, baut das Händlernetz gerade erst aus (aktuell rund 15 aktive Standorte, Ziel: 240 Standorte bundesweit) und setzt auf ein klar strukturiertes, umfassendes After-Sales-Paket inklusive 7 Jahre Fahrzeuggarantie. Chery ist seit 23 Jahren in Folge der meistexportierte chinesische Pkw-Hersteller und belegte 2025 Platz 1 in den JD-Power-Studien für Qualität, Service und Zuverlässigkeit.
Parallel zum Omoda 9 ist mit dem Jaecoo 7 PHEV ein weiteres Modell der Marke in Deutschland erhältlich.
Video: Kurzvorstellung zum Omoda 9 PHEV
Außendesign
Das Exterieur des Omoda 9 PHEV tritt selbstbewusst auf. Die Front trägt eine markante Lichtsignatur: Die Tagfahrleuchten führen senkrecht an der Seite entlang und rahmen die gesamte Fahrzeugbreite waagerecht ein. Der wabenförmig gestaltete Kühlergrill ist optisch sauber in das Frontdesign integriert. Die elektrisch ausfahrbaren Türgriffe sehen edel aus und unterstreichen den cleanen Look, mit Abstrichen im Gebrauch. Auspuffblenden gibt es gleich vier – sportlicher Look, aber rein dekorativ. Der richtige Auspuff ist unter dem Heckstoßfänger versteckt.

20 Zoll Leichtmetallräder
Das Heck läuft flach und elegant aus, mit einer Lichtleiste, die sich über die gesamte Fahrzeugbreite erstreckt. Die eleganten Mehrspeichenfelgen im 20-Zoll-Format runden den Gesamtauftritt ab. Das hiergezeigte Testfahrzeug trägt eine graue Mattlackierung – eine sehr edle Kombination, die in Verbindung mit dem kaminroten Interieur fast an AMG-Modelle aus Stuttgart erinnert. Alternativ stehen aber noch Lackierungen in Weiß, Schwarz und Grau zur Wahl.
Maße und Gewichte
| Maße und Gewichte | Omoda 9 PHEV |
|---|---|
| Abmessungen | |
| Länge | 4,78 m |
| Breite | 1,92 m |
| Höhe | 1,68 m |
| Wendekreis | 11,5 m |
| Gepäckraum hinten | 471–1.783 l |
| Gewichte | |
| Leergewicht | 2.270kg |
| Zuladung | 447 kg |
| zul. Gesamtgewicht | 2717 kg |
| Anhängelast, gebremst/ungebremst | 1.500 kg/750 kg |
| Stützlast | n. b. |
| Dachlast | 70 kg |


Innenraum
Der erste Eindruck beim Einsteigen ist schlicht: beeindruckend. Besonders in Anbetracht des Preises von 52.900 Euro wirkt der Innenraum des Omoda 9 PHEV wie aus einer höheren Liga. Die Verarbeitung ist überzeugend, die Nähte sind sauber und das Material selbst fühlt sich hochwertig an.

Optisch ansprechend sind auch die Dekorelemente entlang des Armaturenbretts. Im ersten Moment täuschen sie über ihre Herkunft hinweg – weder echtes Holz noch echtes Metall, sondern hochwertig gefertigte Kunststoffimitationen. Die Umsetzung ist jedoch gut gemacht.

Die breite, hoch positionierte Mittelkonsole fließt elegant vom Armaturenbrett ab und bietet ein großes Fach mit Schieberollo sowie eine doppelflügelig öffnende Mittelarmlehne mit einem klimatisierten Staufach. Besonders markant sind die drei silberfarbenen Drehregler, die zentrale Fahrzeugfunktionen haptisch bedienbar machen.


Cockpit: Digital, aufgeräumt, intuitiv
- 12,3 Zoll Fahrerdisplay
- Head-up-Display mit AR-Anzeige
Das zentrale Bedienelement im Omoda 9 ist ein fahrerorientiertes 24,6 Zoll große Curved-Display, das aus zwei Einzeldisplays besteht. Ergänzt wird das digitale Cockpit durch ein Augmented-Reality-Head-up-Display (AR-HUD) mit einem großen Sichtfeld: Navigationspfeile, Spurhinweise und Warnmeldungen werden direkt ins Verkehrsgeschehen projiziert. Drei silberfarbene haptische Drehregler unterhalb des Displays ermöglichen die Steuerung der wichtigsten Fahrzeugfunktionen. Das Lenkrad ist elektrisch verstellbar und beheizt.

Infotainmentsystem: Gut vernetzt, mit kleinen Eigenheiten
- Integriertes Navigationssystem
- Android Auto und Apple CarPlay kabellos
- Induktivladung (gekühlt) mit 50 Watt
Das Infotainmentsystem verfügt über ein integriertes Navigationssystem. Die Touch-Bedienung läuft flüssig und lässt sich dank des großen Curved-Displays komfortabel bedienen. Die Smartphone-Integration erfolgt kabellos über Android Auto und Apple CarPlay. Gleichzeitig lässt sich das Smartphone auf der gekühlten Ladefläche mit schnellen 50 Watt laden. Alternativ können auch USB-Anschlüsse (Typ A und Typ C) vorne und hinten genutzt werden.

Sitze vorne: Business Class im Alltag
- Elektrische Sitzverstellung mit Memory-Funktion
- Lenkradheizung, Sitzheizung, Sitzbelüftung, Massagefunktion
Die Vordersitze des Omoda 9 PHEV sind sesselartig breit und ausgesprochen komfortabel. Der Fahrersitz bietet vielfache Verstellmöglichkeiten mit anpassbarer Beinauflage, eine Memory-Funktion sowie Sitzheizung, Sitzbelüftung und eine Massagefunktion. In die Kopfstütze des Fahrersitzes sind Lautsprecher eingebaut.


Sitze hinten: Viel Komfort und Luxus-Features auch im Fond
- Sitzheizung, Sitzbelüftung
- Elektrisch verstellbare Rückenlehnen
- 2x Isofix mit Top-Tether
Hinten sitzt man ausgesprochen gut. Das Platzangebot ist üppig, und die Komfortfunktionen überraschen: Die äußeren Rücksitzplätze verfügen über dreistufige Sitzheizung und – sehr beeindruckend in dieser Preisklasse – auch über Sitzbelüftung. Die Rücksitzlehnen lassen sich elektrisch in der Neigung verstellen und ermöglichen so auf Wunsch eine entspanntere Liegeposition für längere Fahrten.

Besonders durchdacht: Von der Rücksitzbank aus lässt sich der Beifahrersitz elektrisch verstellen – eine klassische Chauffeur-Funktion, die in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit ist.


Zwei Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den äußeren Plätzen sind vorhanden; die integrierten Klappen lassen sich einfach hochklappen und bleiben an den Haltepunkten – gehen also nicht verloren.
Kofferraum
- Kofferraumvolumen 471 bis 1.783 Liter
- Elektrische Heckklappe
Die Heckklappe öffnet elektrisch. Die Laderaumabdeckung lässt sich leicht entnehmen. Wenn die Rücksitzlehnen umgeklappt werden, entsteht ein ebener und übergangsfreier Laderaumboden. Das Kofferraumvolumen beträgt 471 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rückbank auf bis zu 1.783 Liter erweitern.

Ein Kritikpunkt: Der Kofferraum bietet zwar ein ordentliches Fach unterhalb des Laderaums, aber keinen dedizierten Stauraum für das Ladekabel. Wer Kabel mitnehmen möchte, muss dies im eigentlichen Kofferraum tun.
Technische Daten
| Technische Daten | Omoda 9 PHEV |
|---|---|
| Antriebsart | Allradantrieb (AWD) |
| Motorisierung | Plug-in-Hybrid (PHEV) |
| Verbrennungsmotor | |
| Motorart | Reihen-Vierzylinder-Benzinmotor mit Turbolader |
| Hubraum | 1.499 cm3 |
| Leistung | 105 kW (143 PS) |
| Drehmoment | 215 Nm |
| Getriebe | |
| Getriebeart | 3-Gang DHT, Hybridgetriebe |
| Elektromotor | |
| Leistung | 340 kW (462 PS) |
| Systemleistung | |
| Systemleistung | 395 kW (537 PS) |
| Systemdrehmoment | 650 Nm |
| Batterie | |
| Speichertechnik | LMFP |
| Batteriekapazität | 34,5 kWh |
| Fahrleistungen | |
| Beschleunigung, 0–100 km/h | 4,9 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| Kraftstoffverbrauch, gewichtet kombiniert (WLTP) | 1,6 l/100 km |
| Stromverbrauch, gewichtet kombiniert (WLTP) | 19,5 kWh/100 km |
| Reichweite elektrisch, kombiniert (WLTP) | 145 km |
| Reichweite gesamt, kombiniert (WLTP) | 1.100 km |

Fahreindruck
Auf der Testfahrt überzeugt der Omoda 9 PHEV mit einem sehr komfortabel abgestimmten Antrieb bei gleichzeitig jederzeit spürbaren Leistungsreserven. Der Übergang zwischen Elektro- und Verbrennerbetrieb ist sanft und kaum merklich – man muss schon sehr genau hinhören, um den Verbrenner überhaupt wahrzunehmen. Das ist beim dreistufigen DHT-Hybridgetriebe bemerkenswert gut gelöst.

Die 395 kW Systemleistung (537 PS) und 650 Nm Systemdrehmoment sind jederzeit spürbar: In 4,9 Sekunden auf 100 km/h – für einen so großen SUV ein imposanter Wert. Der Allradantrieb sorgt für souveräne Traktion, auch bei feuchter Fahrbahn.

Das Fahrwerk ist komfortbetont, filtert schlechte Straßenoberflächen zuverlässig heraus, gibt aber dennoch genug Rückmeldung zur Fahrbahn. Die Rekuperation lässt sich in drei Stufen einstellen – einen echten One-Pedal-Drive wie bei reinen Elektrofahrzeugen gibt es nicht.

Sehr hilfreich im Fahrbetrieb ist das Kamerasystem: Einblendungen mit Blickwinkel in die Abbiegerichtung während der Fahrt sind ein echter Sicherheitsgewinn. Beim Parken bietet die hochauflösende 540°-Rundumsichtkamera mit zentimetergenauer Distanzmessung und 3D-Ansicht einen sehr hohen Nutzwert.

Ladezeiten
| Ladetyp | Lade-Leistung | Lade-Zeit (h:mm) |
|---|---|---|
| Typ 2 Wechselstrom (AC) Wallbox, Ladesäule | 6,6 kW (1-phasig) | 5:30 0–100 % |
| CCS Gleichstrom (DC) Schnellladestation | 65 kW | 0:25 30–80 % |

Preise und Ausstattung
Der Omoda 9 PHEV wird in Deutschland ausschließlich in der Ausstattungslinie Exclusive zum Preis von 52.900 Euro angeboten.
Serienausstattung
20 Zoll Leichtmetallräder, LED-Scheinwerfer, schlüsselloses Zugangssystem, Panorama-Glasschiebedach, 2-Zonen-Klimaautomatik, vordere Sitze mit elektrischer Verstellung, Heizung, Belüftung und Massage Funktion, Rücksitze mit Heizung, Belüftung und verstellbarer Rückenlehne, Head-up-Display, Infotainmentsystem mit integriertem Navigationssystem, Android Auto und Apple CarPlay kabellos, Sony-Soundsystem, Smartphone-Ladestation zur Induktivladung, Ambientebeleuchtung, Vehicle-to-Load (V2L) bis 6,6 kW.


Sicherheit und Assistenz
Auch mit Sicherheit- und Assistenzsystemen ist der Omoda 9 üppig bestückt. Unter anderem gehören 8 Airbags, Adaptiver Tempomat (ACC), Stauassistent (TJA), Spurhalte- und Notfallassistent (LDP/ELK), Totwinkelassistent (BSD), Türöffnungswarnung (DOW), Querverkehrsassistent hinten sowie Notbremsassistent (AEB) mit Fußgänger- und Radfahrererkennung. Ein hohes Sicherheitslevel konnte der Omoda 9 bei der Euro NCAP bestätigen, wo er das Testprogramm mit 5 Sternen absolvierte.

Garantie
Die Garantie für den Omoda 9 PHEV beträgt 7 Jahre bis 150.000 Kilometer für das Fahrzeug und sogar 8 Jahre bis 160.000 km auf die Antriebsbatterie und Elektro-Antriebskomponenten.

Stärken und Schwächen beim Omoda 9 PHEV
Vorteile
- Außergewöhnliches Preis-Leistungs-Verhältnis für ein Premium-SUV dieser Klasse
- Hohe elektrische Reichweite (145 km WLTP)
- DC-Schnellladung mit 65 kW
- Fein abgestimmter PHEV-Antrieb
- Luxuriöse Komfortausstattung: Sitzbelüftung und -heizung auch im Fond – selten in dieser Preisklasse
- Sehr gutes Kamerasystem mit 3D-Ansicht
- Lange Garantieleistungen (7 Jahre Fahrzeug, 8 Jahre E-Antrieb)
Nachteile
- Durchschnittlich großer Kofferraum
- Noch sehr begrenztes Händlernetz in Deutschland
- Marke und After-Sales-Netz noch jung und wenig erprobt in Deutschland

Fazit: Ein Flaggschiff, das seinen Preis wert ist – mit Mut zur Marke
Mit dem Omoda 9 ist Chery ein starker Start für den europäischen Markt gelungen, der sich an diejenigen richtet, die viel Luxus für ihr Geld bekommen möchten. Klar, 52.900 Euro sind nicht wenig Geld, aber etablierte Hersteller aus Deutschland oder Korea rufen für Vergleichbares 20.000 Euro und mehr auf. Was in der Praxis viele besonders überzeugen wird, ist das Antriebskonzept mit dem großen elektrischen Aktionsradius von 145 Kilometern, sowie die hohe Flexibilität durch die 1.100 Kilometer Gesamtreichweite.
Auch wenn hier Omoda noch weitestgehend unbekannt ist, sieht es bei unseren europäischen Nachbarn anders aus. Auch die Garantieleistungen sprechen eine klare Sprache.
Mein Fazit: Der Omoda 9 PHEV ist keine günstige Alternative – er ist ein ernsthafter Herausforderer. Wer ein vollausgestattetes Premium-SUV sucht, täglich elektrisch fahren möchte und trotzdem nicht auf Langstrecken-Freiheit verzichten will, sollte ihn unbedingt Probe fahren. Und wer nicht bereit ist, für ein deutsches oder koreanisches Logo einen Aufpreis von 20.000 Euro oder mehr zu zahlen, wird hier sehr schnell sehr glücklich.


