Der Togg T10X ist das erste in Europa erhältliche Modell der türkischen Marke Togg – ein Elektro-SUV mit bis zu 523 Kilometer Reichweite, einem riesigen 29-Zoll-Display und einem digitalen Bedienkonzept, das seinesgleichen sucht. Aber ist er auch alltagstauglich?
Was ist der Togg T10X?
- Kompakt-SUV, vollelektrisch
- Mit Heck- und Allradantrieb erhältlich
- Bis zu 523 km Reichweite (WLTP)
- Preise zwischen 35.000 und 50.000 Euro

Togg (Turkey’s Automobile Joint Venture Group) ist ein türkisches Konsortium, das 2018 gegründet wurde und seit 2023 Fahrzeuge produziert. Hinter dem Unternehmen stehen nationale Industriekonzerne sowie der türkische Staat. Der T10X ist ein vollelektrisches Kompakt-SUV – direkte Konkurrenz zu VW ID.4, Hyundai Ioniq 5, Kia EV6, Tesla Model Y und Skoda Enyaq. Das Design entstand in Zusammenarbeit mit dem italienischen Designhaus Pininfarina, die Umsetzung in den Händen türkischer Designerinnen und Designer. Hier im Test: die V2 RWD mit großer Reichweite.

Video. Kurzvorstellung zum Togg T10X
Maße und Gewichte
| Maße und Gewichte | Togg T10X V2 RWD |
|---|---|
| Abmessungen | |
| Länge | 4,60 m |
| Breite, mit aus-/eingeklappten Außenspiegel | 2,10 m/1,89 m |
| Höhe | 1,68 m |
| Wendekreis | N. N. |
| Gepäckraum | 441–1.515 l |
| Gewichte | |
| Leergewicht | 2.201 kg |
| Zuladung | 421 kg |
| zul. Gesamtgewicht | 2.622 kg |
| Anhängelast | N. N. |
| Stützlast | N. N. |
| Dachlast | N. N. |


Außendesign
Der erste Eindruck des Togg T10X ist solide – aber auch ein bisschen konventionell. Der ausladende Kühlergrill mit vertikalen Chromstäben, die Bumerang-förmigen Tagfahrlichter und die chromakzentuierten Details vermitteln durchaus einen Hauch von Premium.


Togg-Markenlogo
Das Markenlogo – ein stilisiertes Tulpenmotiv, Symbol Anatoliens – findet sich am und im Fahrzeug wieder. Auf einen präsenten Togg-Schriftzug wird verzichtet. Der Gesamtauftritt ist unaufgeregt und geht fast im Straßenbild unter. Echte Kenner werden ihn erkennen – und während des Tests habe ich den ein oder anderen Daumen nach oben gesehen.

Eingeschränkte Sicht nach vorne
Die Scheinwerfer sind serienmäßig LED. Vordere Nebelscheinwerfer gibt es ab der V2-Variante, Felgen je nach Ausstattung zwischen 17 und 19 Zoll. Ein Kritikpunkt bleibt: Die großen Außenspiegel verdecken zusammen mit der A-Säule einen merklichen Sichtbereich – besonders beim Abbiegen und in engen Kurven.

Innenraum: Ansprechend und wertig
Wer in den Togg einsteigt, wird vom Innenraum positiv überrascht. Materialien und Verarbeitung hinterlassen einen ordentlichen, teils richtig guten Eindruck. Die Oberflächen fühlen sich angenehm an, der Qualitätseindruck ist durchweg positiv. In der V2-Ausstattung werden Sitze aus schwarzem oder – wie hier im Test – cremefarbenem Kunstleder verwendet. Stoffpolster sind nur in der Basisversion verfügbar.

Das großformatige Panorama-Glasdach mit elektrischem Verdunklungsrollo sorgt für ein luftiges Raumgefühl. Bei den Ablagen gibt es durchdachte Lösungen: verschiebbare vordere Armlehne mit Kühlfunktion, Getränkehalter mit Armlehne hinten, 12-Volt-Steckdose im Kofferraum. Kleine Schwächen: keine Lenkradheizung, keine Gurthöhenverstellung – beides Punkte, die man in dieser Fahrzeugklasse eigentlich erwarten würde.

Cockpit mit vielen Individualisierungsmöglichkeiten
Das digitale Cockpit des T10X ist eines seiner auffälligsten Merkmale: ein 12,3-Zoll-Kombiinstrument, ein 29-Zoll-Infotainment-Panoramadisplay und ein 8-Zoll-Klimabedienfeld bilden eine technisch beeindruckende Einheit. Das Panoramadisplay kann bei langen Fahrten auch Entertainmentinhalte für den Beifahrer anzeigen.

Die Mittelkonsole erinnert ein bisschen an einem Flugzeugcockpit. Die Gangwahl erfolgt per Daumen über einen Drehregler, die Rekuperationsintensität lässt sich in drei Stufen mit den Fingern anpassen. Die Steuerung ist sehr ergonomisch und durchdacht. One-Pedal-Drive ist über das Menü aktivierbar. Lenkung und Lenkrad machen einen angenehmen Eindruck.

Infotainmentsystem: Viel Individualität, aber eigenes Konzept
- Integriertes navigationssystem mit Here-Kartenmaterial
- Togg-eigener Appstore
- Smartphone-Ladestation zum kabellosen Laden
Eine große Besonderheit des T10X ist die Trumore-Digitalplattform – ein vollständig integriertes, proprietäres Betriebssystem. Beeindruckend in seinem Funktionsumfang, fordernd in der Einarbeitung. Benutzeroberfläche, Fahrzeugfunktionen und Anzeigen lassen sich vielfältig personalisieren.
Der Sprachassistent steuert Klimaanlage, Musik und Fahrzeuginformationen per Sprachbefehl. Das hat während des Tests leider nicht wirklich gut funktioniert. Über den Tru.Store lassen sich Fahrzeug-Apps nachladen. Navigation läuft mit Here-Kartenmaterial – ordentlich, aber kein vollwertiger Ersatz für gewohnte Smartphone-Lösungen.

Kein Android Auto und Appel CarPlay
Das deutlichste Manko zum Testzeitpunkt: weder Android Auto noch Apple CarPlay. Smartphone-Kopplung ausschließlich per Bluetooth – Telefonieren und Musik-Streaming funktionieren, eigene Navigation nicht. Für viele Käufer dürfte das ein echter Dealbreaker sein. Das kabellose Laden vorne funktioniert dagegen zuverlässig. Die integrierte Innenraumkamera für den Fondbereich ist ein nettes, praktisches Feature.
Sitze vorne mit elektrischer Verstellung
- Elektrische Sitzverstellung mit Memory-Funktion
- Sitzheizung serienmäßig
In der V2-Ausstattung sind die Vordersitze elektrisch verstellbar und mit Memory-Funktion ausgestattet. Das ist praktisch, wenn mehrere Personen das Fahrzeug nutzen. Die Sitze sind außerdem beheizbar – allerdings gibt es hier eine kleine Einschränkung: Im Eco-Modus steht die Sitzheizung nur in Stufe 1 zur Verfügung. Wer eine höhere Heizstufe möchte, muss den Fahrmodus wechseln. Das ist etwas nervig.

Die Sitze selbst bieten einen guten Seitenhalt und sind auch auf längeren Fahrten bequem. Schade ist das Fehlen einer Lenkradheizung, die gerade im Winter einen deutlichen Komfortunterschied machen würde.
Sitze hinten: Üppiger Platz für den Fond
- 2x Isofix-Halter mit Top-Tether
- Runterklappbare Mittelarmlehne mit Becherhalter
- Eigene Lüftungsdüsen und 2-stufige Sitzheizung
Dank des langen Radstands bietet der Fond hervorragende Beinfreiheit. Auch für größere Personen ist die Kopffreiheit kein Problem. Rücksitzheizung ist als Paket-Option verfügbar, was den T10X für Familien attraktiver macht. Die Rücksitze klappen im Verhältnis 60:40 um, ISOFIX ist serienmäßig verbaut. Insgesamt ein ausgereifter, familientauglicher Fond.

Die Rücksitze lassen sich im Verhältnis 60:40 umklappen – gut für flexiblen Gepäcktransport. ISOFIX-Verankerungspunkte sind serienmäßig verbaut. Der Fond insgesamt macht einen ausgereiften, familientauglichen Eindruck.


Kofferraum: Praktisch, kein Frunk
- 441 Liter, 1.515 Liter (umgeklappt)
- Elektrische Heckklappe
- Kein Frunk
Der Kofferraum fasst 441 Liter bei aufgerichteten Rücksitzen, was für die Klasse ein guter Wert ist, auch wenn Konkurrenten wie der VW ID.4 etwas mehr bieten. Bei umgeklappten Rücksitzen wächst das Volumen auf 1.515 Liter. Die elektrische Heckklappe öffnet komfortabel per Knopfdruck, die Ladekante ist angenehm niedrig. Vorsicht ist jedoch beim Beladen geboten, da der lackierte Stoßfänger im Ladekantenbereich kratzgefährdet ist.

Einen Frunk gibt es keinen, dafür eine nützliche Ablage unter dem Kofferraumboden, in der das Typ-2-Ladekabel untergebracht werden kann.

Technische Daten
| Technische Daten | Togg T10X V2 RWD |
|---|---|
| Antriebsart | Heckantrieb (RWD) |
| Motorisierung | Elektroantrieb (BEV) |
| Motor | |
| Motorart | Elektromotor |
| Leistung (Systemleistung) | 160 kW (218 PS) |
| Drehmoment (Systemleistung) | 350 Nm |
| Batterie | |
| Speichertechnik | Lithium-Ionen-Batterie |
| Batteriekapazität | 88,5 kWh |
| Fahrleistungen | |
| Beschleunigung, 0–100 km/h | 7,8 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 185 km/h |
| Verbrauch, kombiniert (WLTP) | 19,1 kWh/100 km |
| Reichweite, kombiniert (WLTP) | 523 km |

Fahreindruck
Beim Fahren zeigt der T10X seine stärkste Seite. Die 160 kW (218 PS) mit Heckantrieb klingen zunächst überschaubar – in Kombination mit 350 Nm Drehmoment aber sorgen sie für ein kräftiges, spontanes Ansprechverhalten. Das macht Spaß.

Die Leistung lässt sich gut über das Fahrpedal dosieren, das Fahrzeug reagiert kultiviert. Das Fahrwerk bietet soliden Komfort auch auf schlechten Straßen, die Abstimmung ist ausgewogen. Rekuperation in drei Stufen, One-Pedal-Drive per Menü – im Stadtverkehr funktioniert das gut. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Stop-and-Go arbeitet unauffällig. Die zahlreichen akustischen Warnmeldungen während der Fahrt können nerven – lassen sich aber vor Fahrtantritt deaktivieren.
Das Kamerasystem mit dynamischen Führungslinien und Türöffnungsbereich-Anzeige ist hilfreich. Auflösung und Draufsicht-Darstellung sind jedoch nicht auf dem Niveau mancher Wettbewerber.

Beim Schnellladen zeigt der T10X mit bis zu 180 kW DC eine ordentliche Leistung für ein 400-Volt-System – 20 auf 80 Prozent in rund 28 Minuten ist alltagstauglich. Bei frostigen Temperaturen während des Tests ließ sich dieser Wert allerdings nicht erreichen. Eine Batterievorkonditionierung vor dem Schnellladen fehlt – das ist in dieser Fahrzeugklasse ein spürbarer Nachteil.


Was mich am stärksten begleitet hat: der Einstieg ins Fahrzeug selbst. Wer einfach einsteigen und losfahren möchte, wird sich beim T10X schwertun. Das Bedienkonzept ist tiefgreifend und eigenwillig – es gibt enorm viel einzustellen, anzupassen, zu personalisieren. Das ist einerseits ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Andererseits eine Herausforderung, die Zeit und Neugier erfordert. Das System lief im Test zudem nicht immer stabil – OTA-Updates wurden laufend eingespielt, was zeigt, dass Togg aktiv weiterentwickelt. Aber ein fertiges Produkt fühlt sich anders an.
Ladezeiten
| Ladetyp | Lade-Leistung | Lade-Zeit (h:mm) |
|---|---|---|
| Wechselstrom (AC) Wallbox, Ladesäule | 22 kW (3-phasig) | 4:30 0–100 % |
| Gleichstrom (DC) Schnellladestation | 180 kW | 0:28 20–80 % |


Preise und Ausstattung
Der Togg T10X startet ab 34.295 Euro für den V1E RWD (Standardreichweite). Die getestete V2 RWD Große Reichweite kostet 41.200 Euro. Der Allradler V2 4More ist für 49.200 Euro erhältlich. Alle Außenfarben, die allesamt nach türkischen Regionen benannt sind, sind aufpriesfrei. Neben der Metalliclackierung des Testwagens Gemlik (Blau), gibt es noch Kapadokya (Beige), Anadolu (Rot), Kula (Grau), Seyhan (Weiß), Oltu (Schwarz) und Ayder (Dunkelgrün).

V2 RWD Große Reichweite – Serienausstattung (Auswahl):
- Kunstleder-Polster
- Elektrisch verstellbare Vordersitze mit Memory-Funktion
- Elektrische Heckklappe
- Automatische Zweizonen-Klimaanlage
- 29 Zoll Infotainment-Panoramadisplay, 12,3 Zoll Kombiinstrument, 8 Zoll Touchscreen
- 7 Airbags
- LED-Scheinwerfer, Nebelscheinwerfer
- Elektrisch einklappbare Seitenspiegel
- Getönte hintere Scheiben
- Toter-Winkel-Assistent, Spurhalteassistent, Spurhaltewarnung
- Adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Stop-and-Go
- Kollisionswarnung vorn und Notbremsassistent
- Querverkehrswarnung hinten, Fahrerüberwachungssystem
- Smartphone-Ladestation (QI), 2x USB-C vorne, 1x hinten

Aufpreispflichtige Sonderausstattung
- Glas-Panoramadach mit elektrischem Rollo
1.000 Euro - Meridian Premium Sound System
1.000 Euro - 22 kW AC-Ladeleistung
750 Euro - Winterpaket (beheizte Windschutzscheibe, beheizbare Rücksitze)
750 Euro - Smart-Assist-Paket (Kinder-Anwesenheitserkennung, autom. Parkassistent)
500 Euro - Sitze aus cremefarbenem Kunstleder
750 Euro - Starter-Paket (Überführung, Ladekabel, Fußmatten, Zulassung)
990 Euro


Stärken und Schwächen
Stärken
- Ansprechender, wertiger Innenraum mit guter Materialauswahl
- Ausgewogenes, spurstabiles Fahrwerk mit direkter Lenkung
- Großes, individuell konfigurierbares Infotainmentsystem
- Üppiger Platz im Fond
- Integrierte Innenraumkamera für Fondraumüberwachung
- Wettbewerbsfähige Preisgestaltung
Schwächen
- Schlechte Rundumsicht: Außenspiegel verdecken durch große Bauform Sicht an A-Säule
- Lange Eingewöhnungszeit ins eigenwillige Bedienkonzept
- Kein Android Auto / Apple CarPlay – Smartphone-Kopplung nur per Bluetooth
- Hoher Verbrauch
- Keine Lenkradheizung, keine Gurthöhenverstellung
- Keine Wärmepumpe
- Sitzheizung im Eco-Modus nur Stufe 1

Fazit
Der Togg T10X ist ein spannender Neueinsteiger in einem hart umkämpften Segment. Bemerkenswert ist die Eigenständigkeit: Togg hat sich eigene Gedanken gemacht, das Auto neu zu denken. Das verdient echten Respekt – besonders für eine so junge Marke.
Fluch und Segen zugleich ist sein einzigartiges Bedienkonzept. Wer gerne mit Technik experimentiert, individualisiert und tüftelt, wird den T10X lieben. Wer einfach einsteigen und losfahren möchte, wird sich einer Herausforderung stellen müssen. Das fehlende Apple CarPlay und Android Auto ist zum Testzeitpunkt ein echter Dealbreaker für viele – und sollte bei der Kaufentscheidung unbedingt berücksichtigt werden. Dazu kommen Systeminstabilitäten und ein hoher Realverbrauch, der sich trotz Bemühen kaum drücken ließ.
Und dennoch: Als Paket ist der V2 RWD mit 41.200 Euro fair bepreist. Der hohe Sicherheitsstandard, ein wertiger Innenraum und ein System, das mit jedem Update ein Stück besser wird. Ein Auto für Technik-Enthusiasten und Neugierige – die bereit sind, sich auf etwas wirklich Neues einzulassen.


